Eichhörnchen im Garten

Zwei kleine Pinselohren und ein langer, buschiger Schwanz: So huschen Eichhörnchen durch Parks und Gärten, springen von Baum zu Baum und erklimmen sogar glatte Baumstämme. Sie lassen sich beobachten, wie sie Nüsse vergraben und in den Baumkronen nach Futter suchen. Sogar in den Wintermonaten sind sie zu sehen, während sie Futter aus ihren Nahrungsdepots hohlen.

Eichhörnchen-Baby

Aber warum vergraben Eichhörnchen eigentlich Nüsse, wo schlafen sie und wie schaffen sie es, glatte Baumstämme kopfüber herunter zu klettern? Wer die kleinen Nager schon einmal bei ihrem regen Treiben beobachtet hat, wird sich diese Fragen bestimmt gestellt haben.
Im Folgenden möchten wir deshalb die häufigsten Fragen zu Eichhörnchen beantworten:

Welche Merkmale zeichnen Eichhörnchen aus?

Eichhörnchen gehören zur Ordnung der Nagetiere und zur Familie der Hörnchen. Ihr auffälligstes Merkmal ist ihr buschiger Schwanz, den die Tiere meist hochgestellt tragen.
Die Nager leben in Nadel-, Laub- und Mischwäldern, die einen alten Baumbestand aufweisen. Sie sind in ganz Europa verbreitet und haben sich in vielen Ländern zu einem sogenannten Kulturfolger entwickelt. Dieser Bezeichnung entsprechend verfügen die Tiere über ein gutes Anpassungsvermögen und finden sich auch in Städten, Parks und Gärten zurecht.
Ausgewachsene Eichhörnchen erreichen ein Gewicht zwischen 200 und 400 Gramm sowie ein Alter von bis zu 10 Jahren. Sie sind etwa 30 Zentimeter groß und erreichen mit ihrem buschigen Schwanz eine Körperlänge von rund 40 Zentimetern.

Eichhörnchen-Ast

Die Fellfarbe von Eichhörnchen reicht von hellem Rot über Rotbraun bis hin zu einem schwärzlichen Braun. Sie zeigt sich in fast allen Nuancen, wobei der Bauch immer weiß bleibt. Die Farbe des Fellkleides unterliegt dabei genetischen Bedingungen sowie Umwelteinflüssen, zu denen etwa das Klima zählt.
Eichhörnchen, die in höheren Lagen und in Nadelwäldern leben, zeigen eine eher dunkle Fellfärbung. Tiere, die in Laubwäldern leben, weißen hingegen eine hellere und rötlichere Färbung auf. Der Grund für diese Variation besteht in einer besseren Tarnung vor Feinden. Während Eichhörnchen, die in Ostsibirien leben, eine braunschwarze Fellfärbung zeigen, variiert diese in Richtung Westeuropa immer weiter zu einem Hellrot. In Mitteleuropa zeigt sich das Fellkleid der Nager zudem rötlich bis dunkelrot. Neben der Fellfarbe verändert sich auch die Felldichte und nimmt in Richtung Westen immer weiter ab.
Im Frühjahr sowie im Herbst findet außerdem der Fellwechsel statt. Durch diesen passen sich die Tiere an die jeweiligen Außentemperaturen an. So ist das Sommerfell dünner und heller, während das Winterfell viel dichter und dunkler ausfällt. Zusätzlich sind auch die Haarpinsel an den Ohren während der Wintermonate länger und fallen beim Fellwechsel im Frühjahr aus.

Eichhörnchen verbringen ihr Leben vor allem an und auf Bäumen. Ihre Hinterbeine sind deshalb sehr gut an eine kletternde Lebensweise angepasst. Sie zeigen sich muskulös und sind überproportional lang. Durch ihre beweglichen Greifzehen, die sich sowohl an den Hinter- als auch an den Vorderpfoten befinden, können sich die Nager selbst an glatten Baumstämmen festhalten. Ihre scharfen Krallen bieten außerdem eine zusätzliche Unterstützung beim Klettern.
Der buschige Schwanz unterstützt die Tiere des Weiteren in ihrer Balance sowie beim Springen. Er ist etwa 25 Zentimeter lang und zusammen mit den Pinselohren das auffälligste Merkmal eines Eichhörnchens. Er erlaubt den Tieren Sprünge von Ast zu Ast und ermöglicht eine Sprungweite von bis zu fünf Metern. Im Kobel, dem Nest und Schlafplatz der Eichhörnchen, können sich die Tiere außerdem vollständig mit ihrem buschigen Schwanz bedecken und auf diese Art wärmen. Außerdem wird er zur Kommunikation mit Artgenossen eingesetzt. So bedeutet ein seitliches Schwanzwedeln etwa Nervosität und Aufregung. Männchen setzen ihren buschigen Schwanz aber auch zur Balz ein, um die Aufmerksamkeit eines Weibchens zu erhalten.

Wie ernähren sich Eichhörnchen?

Die Nager mit dem buschigen Schwanz sind Allesfresser. Ihre Nahrung richtet sich insbesondere nach dem Angebot in ihrem Revier und variiert entsprechend der jeweiligen Jahreszeit. Für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sind samentragende Bäume unerlässlich.
Eichhörnchen-Nüsse
Eichhörnchen ernähren sich bevorzugt von Nüssen und Samen, wie etwa Hasel- und Walnüssen sowie Fichtensamen und Kieferzapfen. Neben diesen stehen allerdings auch Früchte, wie Bucheckern und Sonnenblumenkerne, Beeren, Obst, Knospen, Triebe von frischen Zweigen, Rinde und Pilze auf ihrem Speiseplan. Da die kleinen Nager als Nesträuber gelten, fressen sie nicht selten auch Jungvögel und Eier.
Die Futtermenge, die ein Eichhörnchen benötigt, hängt von seiner Größe und der Jahreszeit ab. Im Sommer liegt sie bei etwa 80 Gramm, während sie sich in den Wintermonaten auf etwa 35 Gramm reduziert.
In Jahren mit einem reichen Nahrungsangebot lässt sich außerdem ein Anstieg der Zahl an Eichhörnchen beobachten. Gleiches gilt allerdings auch umgekehrt: Tragen die Bäume wenige Samen und Früchte, gehen die Bestände zurück. Zudem kommt es häufig zu größeren Wanderbewegungen in ergiebigere Nahrungsgebiete.

Wo schlafen Eichhörnchen?

Eichhörnchen schlafen in einem selbstgebauten Nest, das auch als Kobel bezeichnet wird. Diesen bauen die Nager in Astgabeln oder an abgehenden Ästen in der Nähe des Hauptstammes. Einige beziehen aber auch gerne verlassene Vogelnester oder Vogelhäuser. Besonders beliebt sind alte Elstern- oder Habichtnester, die die Eichhörnchen nach ihren Wünschen umbauen.
Das Grundgerüst des Kobels besteht dabei aus Zweigen. Es werden entweder Zweige alter Nester verwendet oder die Tiere suchen sich entsprechendes Material in der näheren Umgebung selbst. Das Hörnchen gibt sich beim Nestbau viel Mühe und formt den Kobel solange, bis er eine optimale Form aufweist. Anschließend folgt die Polsterung, damit es das Hörnchen im Nest warm und gemütlich hat. Hierfür sammeln die Nager etwa Moos, Gras, Bast und Federn.

Eichhörnchen-Vogelhaus

In den meisten Fällen besitzt der Kobel eine runde Form und einen Durchmesser von rund 30 bis 50 Zentimetern. Durch die dicke Polsterung fällt er im Inneren etwas kleiner aus und misst einen inneren Durchmesser von knapp 15 bis 20 Zentimetern. Das Eichhörnchen baut sein Nest außerdem wasserdicht und als Schutz vor Kälte. Des Weiteren besitzt jeder Kobel mindestens zwei Schlupflöcher, von denen eines meist nach unten ausgerichtet ist. So bleibt dem Hörnchen bei Gefahr immer ein zweiter Ausgang, durch den es verschwinden kann.
Neben einem Hauptkobel bauen Eichhörnchen auch Neben- und Notnester. Diese werden etwa dann genutzt, wenn der Hauptkobel durch die Geburt verschmutzt ist, bei Parasitenbefall oder wenn er keine sichere Behausung mehr darstellt. In diesen Fällen ziehen die kleinen Nager einfach um. Die Nebennester dienen dabei vorrangig als Schutz und sind in ihrer Bauweise einfacher gearbeitet. Sie lassen sich bei einem Umzug allerdings leicht zu einem neuen Hauptkobel ausbauen.
Verlässt ein Eichhörnchen seinen Kobel, verschließt es diesen übrigens sorgfältig, insbesondere wenn sich Jungtiere in diesem aufhalten.

Warum sammeln Eichhörnchen Nüsse?

In den Herbstmonaten legen Eichhörnchen Depots mit Nahrungsvorräten an. Da sie im Vergleich zu vielen anderen Tieren keinen Winterschlaf, sondern nur eine sogenannte Winterruhe halten, fressen sie sich keinen „Winterspeck“ an. Die Tiere sind deshalb auf ihre Nahrungsvorräte angewiesen, um im Winter genügend Nahrung zu finden. Sie nutzen ihre ein- bis zweistündige Aktivitätsphase, um ihre Depots aufzusuchen und Nahrung aus diesen zu holen.
Entgegen der weitverbreiteten Meinung, Eichhörnchen würden nur Nüsse vergraben, finden sich auch Pilze, Baumfrüchte und Samen in den Verstecken. Diese befinden sich oft in der Nähe von Baumstämmen, können aber auch in Spalten bestehen. Im Kobel wird hingegen keine Nahrung gelagert.

Um die Vorräte wiederzufinden, verlassen sich Eichhörnchen auf ihren Geruchssinn. Die Tiere merken sich nämlich nicht, wo sie etwas vergraben haben. Aus diesem Grund werden im Herbst immer mehrere Verstecke angelegt. Um die Suche zu erleichtern, wird die Nahrung vor dem Vergraben außerdem oft angeleckt, um ihren Geruch zu verstärken.
Da viele Vorräte von den Eichhörnchen nicht mehr gefunden werden, beginnen vergessene Samen und Nüsse im Frühjahr zu keimen. Den Nagern kommt beim Waldaufbau somit eine wichtige, ökologische Rolle zu.

Wie verbringen Eichhörnchen die vier Jahreszeiten?

Im Vergleich zu vielen anderen Tieren halten Eichhörnchen keinen Winterschlaf. Sie verbringen den Winter in einer sogenannten Winterruhe. Während dieser schränken sie ihre Aktivität stark ein und nutzen täglich eine ein- bis zweistündige Aktivitätsphase, um Futter aus ihren Nahrungsdepots zu holen.
Ihre Körpertemperatur bleibt während der Winterruhe nahezu gleich. Allerdings verlangsamt sich der Herzschlag der Tiere, um Energie zu sparen. Bei großer Kälte oder Stürmen bleiben die Hörnchen manchmal auch mehrere Tage in ihrem Nest.

Eichhörnchen-Winter

Steigen die Temperaturen im Frühjahr, beenden die Eichhörnchen ihre Winterruhe und werden aktiver. Die Paarungszeit beginnt in den Monaten Januar und Februar. Ein erster Wurf erfolgt meist gegen Ende Januar und ein zweiter im Spätsommer.
Während die Hörnchen die Frühlings- und Sommermonate insbesondere mit der Jungenaufzucht verbringen, erfolgt in den Herbstmonaten die Anlage neuer Vorräte für den Winter. Die Nager sammeln Samen, Nüsse, Knospen, Früchte und Pilze. Sie graben insbesondere Nüsse bis zu 30 Zentimeter tief in die Erde ein. Eichhörnchen legen immer mehrere Futterverstecke an, da sie nie alle wiederfinden. Im Winter greifen sie dann auf diese Depots zurück, um bei der Futtersuche möglichst viel Energie zu sparen.

Wie erfolgen die Paarung und Jungenaufzucht bei Eichhörnchen?

Die Paarungszeit von Eichhörnchen beginnt in den Monaten Januar und Februar. Sie wird oft durch wilde Verfolgungsjagden eingestimmt, bei denen mehrere Männchen ein Weibchen durch die Bäume jagen. Die Paarung selbst findet bis zu zweimal jährlich satt, einmal gegen Ende Januar und ein zweites Mal im Spätsommer bis Ende August. Ist im Winter nur wenig Nahrung verfügbar, kann sich der erste Wurf allerdings auch bis in die Sommermonate verschieben.
Hat sich ein Eichhörnchenpaar gefunden, bauen beide Tiere ein Nest für die Jungenaufzucht, den sogenannten Wurfkobel. Da Eichhörnchen allerdings „polygyn“ leben, vertreibt das Weibchen das Männchen nach der Paarung. Während sich Männchen in einer Paarungsperiode mit mehreren Weibchen paaren, übernehmen jeweils die weiblichen Tiere die Jungenaufzucht.

Eichhörnchen-Nachwuchs

Ein Wurf umfasst dabei etwa drei bis acht Jungtiere. Diese kommen nach einer Tragezeit von vier Wochen blind und ohne Fell auf die Welt. Das Muttertier säugt die Jungen etwa acht Woche lang im Nest. Anschließend leben die Jungtiere noch einige Monate bei der Mutter, bevor sie ihrer eigenen Wege gehen.
Junge Tiere werde frühestens nach zwölf Monaten geschlechtsreif. Allerdings überlebt nur etwa jedes vierte Jungtier das erste Lebensjahr. Der Grund für die hohe Sterblichkeitsrate sind vor allem Fressfeinde. Insbesondere der Baummarder stellt eine große Gefahr für junge und unerfahrene Eichhörnchen dar.

Welche Feinde haben Eichhörnchen?

Eichhörnchen haben eine Vielzahl an natürlichen Feinden. Zu diesen zählen unter anderem Baummarder, Wiesel, Wild- und Hauskatzen. Neben diesen haben auch Habichte, Mäusebussarde und Eulen die Nager als Beutetiere im Visier. Bisher haben es diese natürlichen Räuber allerdings nicht geschafft, den Bestand der Hörnchen wirklich zu gefährden. So bewegen sich die Tiere zu flink und verstecken sich mit Leichtigkeit in Bäumen und ihren Nestern.

Neben Fressfeinden macht den Eichhörnchen allerdings ein Artgenosse verstärkt Probleme, der sich seit einigen Jahrzehnten immer stärker verbreitet: Das Grauhörnchen, der nordamerikanische Verwandte der Nager, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien eingebürgert. Dort sollte es sich verbreiten und den Tierbestand aufwerten. Allerdings zeigt sich das Grauhörnchen größer und stärker als das Europäische Eichhörnchen. Dieses wurde in der Folge immer weiter aus seinem ursprünglichen Lebensraum verdrängt.
Das Grauhörnchen trägt außerdem einen Pocken-Virus in sich, gegen den es selbst immun ist. Die Krankheit, die als „Eichhörnchen-Pocken“ bezeichnet wird, verläuft beim Europäischen Eichhörnchen hingegen meist tödlich. Bisher konnte sich das Grauhörnchen noch nicht in Deutschland verbreiten. Forscher gehen allerdings davon aus, dass es sich nur um eine Frage der Zeit handelt.

Grauhörnchen

Neben Fressfeinden und Grauhörnchen ist es der Verlust alter Baumbestände, der Eichhörnchen am stärksten bedroht. So benötigen die Nager Bäume zur Nahrungssuche, zum Nestbau und zur Jungenaufzucht. Da die Ernährung der Tiere insbesondere auf Samen, Trieben und Knospen beruht, spielt das Alter der Bäume eine entscheidende Rolle. So bilden Bäume erst ab einem gewissen Alter Früchte und Samen aus. Kiefern und Fichten benötigen etwa 20, Buchen sogar 80 Jahre.
Um eine stabile Nahrungsgrundlage zu haben, brauchen Eichhörnchen also vor allem alte Baumbestände. Da die Samenbildung jährlich variiert, bieten alte Laub- und Mischwälder ein abwechslungsreiches und sicheres Nahrungsangebot. Diese Wälder werden jedoch immer knapper und zunehmend durch jüngere Baumbestände verdrängt. Zwar ist das Eichhörnchen noch überall zu finden, doch kann sich die Intensivierung der Forstwirtschaft negativ auf ihren Bestand auswirken. Insbesondere dann, wenn Wälder mit altem Baumbestand zunehmend kleiner und eintöniger werden.
Um Eichhörnchen einen alternativen Lebensraum zu bieten, kann es sich deshalb lohnen, den eigenen Garten Eichhörnchen-freundlich zu gestalten.